In diesem Sommer stehen anhaltende Hitze und Dürre als Begleiter der Klimakrise im Vordergrund. Das sollte uns aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch Hochwasser ein großes Klimarisiko bleibt. Zum fünften Jahrestag der Hochwasserkatastrophe im Ahrtal hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) das Hochwasserrisiko von 400 Landkreisen und kreisfreien Städten bewertet. Wo steht Mülheim an der Ruhr im Hochwasser-Check der Deutschen Umwelthilfe?
Die Vorgehensweise
Die Deutsche Umwelthilfe hat in ihrem Hochwasser-Check die Auswirkungen eines Jahrhunderthochwassers betrachtet. Das ist ein Hochwasser, das in der Vergangenheit statistisch alle 100 Jahre auftrat, aufgrund des Klimawandels künftig aber häufiger zu erwarten ist.
Zum einen wurde der Anteil der Hochwasserrisikogebiete an der Fläche des Landkreises ermittelt. Hochwasserrisikogebiete sind Flächen, in denen bei einem Jahrhunderthochwasser signifikante Schäden zu erwarten sind. Zum anderen wurde die Zahl der Adressen ermittelt, die in den Hochwassergefahrenflächen liegen, also im Falle eines Jahrhunderthochwasser überflutet werden. Als Zusatzinformation wurde die Zahl der betroffenen Adressen unter der Annahme einer überlasteten Schutzinfrastruktur (wie Deiche) ermittelt.
Die Größe der Hochwasserrisikogebiete und die Zahl der betroffenen Adressen (bei funktionierender Schutzinfrastruktur) wurden auf Kreisebene berechnet und miteinander multipliziert. In Abhängigkeit vom Logarithmus dieser Zahl ergab sich der Hochwasser-Risikograd für die einzelnen Landkreise und kreisfreien Städte.
- Zur Pressemitteilung mit verlinkter Auswertung
Das Ergebnis für Mülheim an der Ruhr
Der auf diese Weise ermittelte Hochwasser-Risikograd liegt für Mülheim an der Ruhr bei 2,38, was in der DUH-Einschätzung einem geringen Hochwasserrisiko entspricht. Das heißt, wir haben eine relativ kleine Fäche, in der mit Schäden zu rechnen ist, und eine relativ kleine Zahl an Adressen, die bei einem Jahrhunderthochwasser überflutet werden würden. Innerhalb der 400 Landkreise und kreisfreien Städte haben wir damit die Position 86, liegen also im oberen Viertel.
Unsere großen Nachbarstädte an der Ruhr schneiden deutlich schlechter ab: Duisburg und Essen liegen mit einem Hochwasser-Risikograd von 3,95 bzw. 3,56 schon im mäßigen Bereich. Oberhausen hat dagegen einen Risikograd von nur 0,00 und damit ein sehr geringes Risiko.
Kritik am Verfahren
Allerdings zeigt gerade das Ergebnis für Oberhausen auch die Schwäche des verwendeten Verfahrens. Falls die Schutzinfrastruktur hält, gibt es dort keine Adresse, die von Überflutung betroffen ist. Somit ist einer der beiden ausgewerteten Faktoren null. Unabhängig davon, wie groß das Hochwasserrisikogebiet ist, ergibt sich als Hochwasser-Risikograd zwangsläufig ebenfalls ein Wert von null.
Dabei ist der Anteil der Hochwasser-Risikofläche am Stadtgebiet in Oberhausen größer als in Mülheim. Und falls die Schutzinfrastruktur überlastet ist, sind in Oberhausen mit knapp 2 000 Adressen zehnmal so viele Adressen betroffen wie in Mülheim.
Darüber hinaus werden größere Städte und Landkreise aufgrund der Berechnungsweise ungünstiger bewertet als kleinere Kreise. Dadurch sind auch die Ergebnisse von Duisburg und Essen nicht ohne Weiteres mit dem von Mülheim zu vergleichen.
Die Berechnungsweise des Hochwasser-Risikogrades kann also sicherlich noch weiter verbessert werden. Die Zahlen zu den Hochwasserrisikogebieten und der Anzahl der betroffenen Adressen geben aber bereits einen guten Überblick.
Und dann noch der Deich
Was die Deutsche Umwelthilfe sicher nicht berücksichtigen konnte, sind individuelle Gegebenheiten vor Ort. Für Mülheim an der Ruhr fällt mir dabei zuerst der Zustand des Saarner Deichs ein.
Beim Hochwasser im Jahr 2021 musste der Deich in Saarn gestützt werden. Im Moment geht niemand davon aus, dass der Deich einem erneuten Hochwasser standhalten würde. Doch der Deich wird nicht saniert. Die Stadtverwaltung zeigt auf das Land Nordrhein-Westfalen, das gerade ein neues digitales Geländemodell erarbeitet. Im Moment stünden die Planungsdaten für eine Deichsanierung nicht zur Verfügung. (WAZ 04.02.2026 [€])
Es herrscht also das Prinzip Hoffnung. Falls das nächste Hochwasser schneller kommt, als die Stadt den Deich saniert hat, werden wir möglicherweise ganz andere Auswirkungen in der Stadt haben als 2021.
In den Nachbarstädten sind Deichsanierungen dagegen teilweise bereits gestartet. So saniert die Emschergenossenschaft gerade die Deiche an der Emscher in Oberhausen (WAZ 27.07.2026 [€]), und in Duisburg-Mündelheim gab es kürzlich den Spatenstich für eine große Deichsanierung – mitsamt Landesminister (WAZ 15.06.2026 [€]).
Und wann geht es in Mülheim los?
Wir sollten uns aufgrund des geringen Hochwasser-Risikogrades in der Studie der Deutschen Umwelthilfe nicht in falscher Sicherheit wiegen. Der Deich muss dringend saniert werden.

