Im Hintergrund ein blasses Bild eines großen alten Gebäudes mit einem Turm, davor ein aufgeklappter Laptop mit einem Bildschirmfoto aus dem Artikel der Zeitschrift "Die Zeit"
Bildschirmfoto der Auswertung für Mülheim. Im Hintergrund das Mülheimer Rathaus.

Im August des letzten Jahres hat „Die Zeit“ einen Beitrag über „Klimazwillinge“ der Gemeinden veröffentlicht: Welcher Ort in Europa hat heute bereits das Klima, das die eigene Gemeinde Ende des Jahrhunderts haben wird? Die Ergebnisse für Mülheim an der Ruhr.

Die Vorgehensweise

Die Veröffentlichungen der Wochenzeitschrift „Die Zeit“ beruhen auf Berechnungen des Schweizer Wetterportals Meteoblue. Das zugrundeliegende Klimamodell geht von einer durchschnittlichen Erderwärmung von 2,7 °C zwischen der vorindustriellen Zeit und dem Ende dieses Jahrhunderts aus. Bei Erscheinen des Artikels handelte es sich um das Szenario mit der höchsten Wahrscheinlichkeit. (Mittlerweile zeigt das Thermometer von Climate Action Tracker 2,6 °C an – immer noch deutlich mehr als die Grenzen von 1,5 °C bzw. 2,0 °C aus dem Pariser Klimaabkommen. [Link])

Mit diesem Szenario hat Meteoblue die Entwicklung von vier Eckwerten für das Klima berechnet: die durchschnittlichen Temperaturen über das ganze Jahr, im wärmsten und im kältesten Monat sowie der durchschnittliche jährliche Niederschlag. Andere Parameter, die das Klima bestimmen, wurden nicht berücksichtigt.

Die Daten aus den Jahren von 1990 bis 2020 bilden das aktuelle Klima ab – was sich seitdem aber natürlich bereits verändert hat. Anhand des Klimaszenarios wurde die Entwicklung bis zum Ende des Jahrhunderts (2091 bis 2100) berechnet. Dann wurde der Ort in Europa gesucht, dessen aktuelles Klima am nächsten zur Prognose der betrachteten Gemeinde liegt. „Die Zeit“ bezeichnet die so verbundenen Gemeinden als „Klimazwillinge“.

Die Klimazwillinge von Mülheim an der Ruhr

Beim betrachteten Szenario wird sich die Jahresdurchschnittstemperatur unserer Stadt von 10,8 °C auf 12,8 °C erhöhen. Hierbei handelt es sich also um einen Anstieg von 2 °C innerhalb eines Jahrhunderts. (Dieser Wert kann übrigens nicht einfach mit der Erderwärmung von 2,7 °C verglichen werden, deren Basis das vorindustrielle Niveau vor 1850 ist.) Die jährliche Niederschlagsmenge wird von 848 l/m2 auf 963 l/m2 (also um fast ein Siebtel) steigen.

Die Gemeinde in Europa, die das künftige Klima von Mülheim an der Ruhr derzeit am besten abbildet, ist Cadrieu. Cadrieu ist ein kleiner Ort in Südfrankreich und liegt über 1 000 km von Mülheim entfernt. Die nächste große Stadt ist Toulouse in einer Entfernung von gut 100 km.

„Die Zeit“ zeigt auch gleich, welche Gemeinde Europas künftig das Klima des eigenen Ortes zu erwarten hat. Im Falle von Mülheim an der Ruhr ist das die Gemeinde Waabs an der Eckernförder Bucht in Schleswig-Holstein. Waabs ist derzeit noch etwa 1,7 °C kühler als Mülheim. Die jährliche Niederschlagsmenge liegt 15 % niedriger als bei uns.

Probeweise habe ich das Werkzeug auch für Waabs angewendet. Dann wurde aber nicht Mülheim an der Ruhr als Vertreterin des künftigen Klimas angezeigt, sondern Annelles, eine kleine Gemeinde im Norden Frankreichs kurz vor Reims.

Damit ist Annelles also der echte Klimazwilling von Mülheim an der Ruhr, doch ein Klima wie in Cadrieu ist unsere Zukunft.