Ein rotes Haus hinter Büschen mit einer Dachsolaranlage
Ein Haus mit Dachsolaranlage (Symbolbild, nicht aus Mülheim)

In ihrem Mai-Newsletter schrieb NRW.Energy4Climate, die Landesgesellschaft für Energie und Klimaschutz von Nordrhein-Westfalen: „Die Solarenergie entwickelt sich im Ruhrgebiet weiterhin erfolgreich“. Im verlinkten Artikel klang das schon verhaltener. Und im Photovoltaik-Check der Deutschen Umwelthilfe bekam die Stadt Mülheim an der Ruhr nur eine rote Karte.

Die Vorgeschichte

Bereits im Herbst 2024 habe ich über den Photovoltaik-Ausbau in Mülheim an der Ruhr berichtet. Im Solaratlas EO Solar, der sehr detailliert auf Basis von Satellitenaufnahmen erstellt wurde, lag die Stadt Mülheim an der Ruhr im hinteren Bereich. Auch nach den Berechnungen der Deutschen Umwelthilfe bekam die Stadt eine rote Karte. Der Ausbau müsse fast verdoppelt werden, um die Ziele noch zu erreichen.

Der Solaratlas EO Solar wurde bisher nicht aktualisiert. Er weist also dieselben Werte wie im Herbst 2024 aus. Neue Zahlen gibt es dagegen von NRW.Energy4Climate und der Deutschen Umwelthilfe.

NRW.Energy4Climate – die Optimisten

Im Newsletter, der Ende Mai erschien, klang es sehr positiv: „PV-Ausbau im Ruhrgebiet weiterhin auf hohem Niveau“, so lautete die Überschrift. Die Solarenergie, so schloss der kurze Teaser im Newsletter, biete „beste Voraussetzungen, um die Energiewende mit neuen Impulsen nachhaltig voranzubringen.“

In der verlinkten Pressemitteilung anlässlich des Symposiums „Grüne Infrastruktur“ des Regionalverbandes Ruhr (RVR) am 28.04.2026 wurde allerdings eingeräumt, dass der Ausbau der Solarenergie 2025 an Dynamik verloren habe. Gegenüber 2024 ging der Zubau nach den Zahlen des RVR sogar um rund 12 % zurück.

Zwar war 2024 tatsächlich ein Rekordjahr. Angesichts der notwendigen Beschleunigung des Photovoltaik-Ausbaus sollte allerdings in der nächsten Zeit jedes Jahr ein Rekordjahr sein. Ein Rückgang des Ausbaus ist ein Rückschlag für die Energiewende.

Der Photovoltaik-Check der Deutschen Umwelthilfe

Dass die landeseigene Gesellschaft NRW.Energy4Climate den Solarausbau positiv darstellt, ist sicherlich zu erwarten. Spannender ist daher die neue Auswertung der Deutschen Umwelthilfe, die ihre Methodik weiterentwickelt hat.

Beim letzten Photovoltaik-Check hatte die Deutsche Umwelthilfe den notwendigen bundesweiten Zuwachs bis 2035 auf Basis einer Studie der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW) in Höhe von 590 GWp ermittelt. Basis der neuen Studie ist nun der im EEG 2023 festgeschriebene Zuwachs von 400 GWp bis 2040 – also deutlich weniger.

Auch die Verteilung auf die Städte wurde differenzierter vorgenommen. Statt das Ausbauziel einfach anhand der Fläche auf die Gemeinden zu verteilen, hat die deutsche Umwelthilfe nun zwei Kriterien herangezogen:

  • das tatsächliche Potenzial an Dachsolaranlagen auf Basis der Daten aus dem bereits erwähnten Solaratlas EO Solar;
  • die konfliktarmen Freiflächen innerhalb bereits genutzter bzw. versiegelter Flächen als Anteil der Siedlungs- und Verkehrsfläche auf Basis des Flächenatlas von Destatis. 

Der notwendige Zuwachs wurde also verringert, die Verteilung verbessert.

Die Ergebnisse für Mülheim an der Ruhr

Durch die geänderte Methodik sind die neuen Zahlen nicht mehr mit denen aus früheren Photovoltaik-Checks vergleichbar. Der Vergleich wird zudem dadurch erschwert, dass die detaillierte Liste der Auswertung aus 2024 nicht mehr auf der Seite der Deutschen Umwelthilfe abrufbar ist.

Im Photovoltaik-Check aus 2024 war die Deutsche Umwelthilfe zu dem Schluss gekommen, dass Mülheim an der Ruhr den Photovoltaik-Ausbau fast verdoppeln müsse, um ihren Anteil am Ausbauziel bis 2035 zu erreichen. Wie sieht es nun nach den neuen Zahlen aus?

Nach der neuen Methodik liegt das Ziel für Mülheim an der Ruhr bei 14 128 kWp, also gut 14 MWp. Vor zwei Jahren, nach der alten Methodik, standen dort nur 10 220 kWp, also gut 10 MWp. Unter Berücksichtigung des tatsächlich vorhandenen Potenzials ist der Anteil unserer Stadt also größer geworden.

Der durchschnittliche Zubau auf Grundlage der Daten aus dem Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur für 2024 und 2025 betrug 9 950 kWp, also fast 10 MWp. Möglicherweise kommt unsere Stadt hier allerdings etwas zu gut weg. Das Klimadashboard des gleichnamigen gemeinnützigen Vereins kommt für die Jahre 2024 und 2025 nur auf die Werte von 8,2 und 8,9 MWp, im Schnitt also nur 8,5 MWp. Dort ist auch zu erkennen, dass der Zubau im Jahr 2023 einen großen Sprung gemacht hat, danach aber nur noch langsam anstieg.

Mit den Werten der Deutschen Umwelthilfe ergibt sich eine Zielerreichung von 70 %. Das reicht nur für eine rote Karte. Bei mehr als 75 % hätte es eine gelbe Karte gegeben.

Was machen die Nachbarstädte?

Das Ruhrgebiet gibt kein einheitliches Bild ab. Gelsenkirchen (58 %), Wuppertal (64 %) und Duisburg (64 %) stehen noch schlechter da als Mülheim, Oberhausen liegt gleichauf. Etwas besser sind Bochum (78 %), Essen (81 %) und Recklinghausen (96 %), die jeweils eine gelbe Karte erhalten haben. 

Es gibt aber auch Ruhrgebietsstädte, die ihre Zubauziele erreichen und sich über eine grüne Karte freuen dürfen: Dortmund erreicht 122 %, Hagen und Bottrop liegen bei 115 %.

Fazit

Es gibt noch viel zu tun in Mülheim an der Ruhr, aber das wussten wir bereits vorher. Insbesondere bei der Freiflächen-Photovoltaik besteht Nachholbedarf: Nach dem Klimadashboard gibt es in Mülheim nur drei kleine Anlagen.